Montag, 26. September 2016

Die Bibel Tief Lesen

"Ich habe mir angewöhnt, die beim Lesen des Bibeltextes schnell gewonnenen Erkenntnisse nicht für die Predigt zu berücksichtigen. Was ich zuerst sehe, steht meist nicht im Text, sondern befindet sich als Vorurteil im eigenen Kopf. Wenn ich mich dem Bibelwort länger aussetze, dringe ich tiefer ein. Das Wort Gottes setzt sich gegen meine vorgefasste Meinung durch. Oft kommen unbequeme Wahrheiten zutage, häufig überrascht mich das Bibelwort. Mal sind befreiende und erfreuende, mal herausfordernde Überraschungen, auch Zumutungen."
Ulrich Parzany, Dazu stehe ich, s. 121.

Samstag, 24. September 2016

Gott Wirklich Begegnen

"Stellen wir uns vor, ich würde zu spät auftauchen und hier auf das Podium rennen, und all die Verantwortlichen wären sauer auf mich und würden sagen: »Bruder Paul, warum hast du dich verspätet? Bedeutet es dir so wenig, dass du hier heute sprechen darfst?« Und ich würde sagen: »Brüder, ihr müsst mir vergeben.« »Nun, warum?« »Na ja, ich war draußen auf der Bundesstraße, und ich bin gefahren und hatte einen Platten. Daraufhin bin ich ausgestiegen, um den Reifen zu wechseln, und als ich den Reifen wechselte, ist mir eine Radmutter weggerollt, und ich habe nicht darauf geachtet, dass ich auf der Bundesstraße bin, und bin hinübergerannt und habe die Radmutter geholt. Als ich sie dann mitten auf 22 der Straße aufheben wollte, kam da plötzlich so ein 30-Tonnen-Langholz-Lkw mit 200 km/h direkt auf mich zugerast, und der hat mich überfahren, und deswegen bin ich leider zu spät gekommen.« 

Also, es gäbe nur zwei logische Folgerungen  –  ich weiß, niemand studiert heutzutage noch Logik, aber es würde nur zwei logische Schlüsse geben: Entweder bin ich ein Lügner, oder ich bin verrückt. Du würdest sagen: »Bruder Paul, das ist absolut absurd. Es ist unmöglich, Bruder Paul, eine ›Begegnung‹ mit etwas so Gewaltigem wie einem Langholz-Lkw zu haben und dadurch nicht ver­ ändert zu werden.« Aber jetzt wäre meine Frage an dich  –  was ist gewaltiger? Ein 30-Tonner oder Gott? 

Wie kommt es, dass heutzutage so viele Leute angeblich eine Begegnung mit Jesus Christus gehabt haben und doch nicht wirklich und dauerhaft verändert sind? Lasst mich euch ein paar Dinge zum Nachdenken weitergeben. Ihr wisst, dass ich euch die Wahrheit sage. Wie oft gehst du hin und weihst dein Leben Gott immer und immer und immer wieder aufs Neue? Wie oft besuchen Jugendgruppen Veranstaltungen wie diese hier und lassen sich in Hochstimmung versetzen und motivieren und gehen dann zurück in ihre Gemeinde, und das Ganze hält ungefähr zehn Tage an? 

Und doch hört man: »Oh, es war ein gewaltiges Wirken Gottes!« Nein, keineswegs! Wenn es nicht anhält, dann war es kein gewaltiges Wirken Gottes. Es war Gefühl, Emotion. Es war alles Mögliche, aber es war kein gewaltiges Wirken Gottes. Hat Gott in deinem Leben gewirkt? Ist Gott dabei, in deinem Leben zu wirken? »An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.« Ja, an ihren Früchten werdet ihr sie erkennen."

Donnerstag, 22. September 2016

Der Dienst Eines Gemeindeleiters

Die Abschiedsrede von Paulus an den Ältesten in Ephesus in Apostelgeschichte 20 zeigt auf, wie der Dienst eines Gemeindeleiters sein soll. Sie ist also ein Maßstab für Pastoren und Ältesten, und eine Hilfe für Christen, die für ihre Gemeindeleiter beten wollen. Sicherlich könnte man mehr daraus ziehen, aber hier sind neun Merkmale des biblischen Dienstes, die mir aufgefallen sind.

1. Pastoren sollen in Transparenz dienen.
Dafür müssen sie ihrer Gemeinde bekannt sein (v. 18); und durch Gottes Gnade einen heiligen Lebenswandel haben, der sich durchgehend sichtbar macht (vv. 20, 34-35). Sie arbeiten nicht vor allem mit Kollegen, sondern mit Geschwistern: es muss nicht ein professioneller Dienst sein, doch es muss ein herzlicher Dienst sein (v. 32, 37).

2. Einzeln sowie auch die Gemeinde als ganze brauchen Aufmerksamkeit und Lehre.
Predigen, Seelsorge und Jüngerschaft gehören zum Dienst (vv. 20, 31).

3. Es ist vor allem ein Dienst für den Herrn. 
Der Heilige Geist beruft uns und setzt uns als Pastoren ein (v. 28), Jesus schenkt uns diesen Dienst (v. 24), letztendlich ist die Gemeinde Gottes Gemeinde (vv: 19; 28; 32). Gott müssen wir auch Rechenschaft für unseren Dienst ablegen (vv.  26; 28).

4. Es ist ein angefochtener und emotionaler Dienst.
Viele Träne und Anfechtungen werden uns begegnen (vv. 19, 23, 29-30); sogar Widerstand aus dem Mitarbeiterkreis (v. 30). Naiv ist der, der meint, es wird ein einfacher Dienst sein, oder dass er mit einem Bequemen Leben kompatibel ist: Es ist ein Dienst des Zu-Sich-Selbst-Sterbens (v. 24). Ein Dienst des "langfristigen sich Aufopfern" (Christopher Ash). Normale Bürozeiten sind hierfür nicht vorgesehen (v. 31). 

5. Es ist ein Dienst des Wortes. 
Als Diener des Wortes (Lk 1: 2) haben wie nichts von Gottes Wort zu schweigen (v. 27), sondern "alles, was nützlich ist" (v. 20) müssen und dürfen wir predigen; das Reich Gottes (v. 25), den Ratschluss Gottes (v. 27), das Wort Gottes Gnade (v. 28), so dass alle das Evangelium der Gnade Gottes hören (v. 24), und wissen, dass sie Buße tun und dran glauben sollen (v. 21). Durch diesen Wortdienst hütet und bewahrt Gott seine Gemeinde (v. 28, 32). 

6. Es ist kein Dienst, der nur für eine Menschengruppe bestimmt ist.
Juden und Griechen brauchen dieselbe Botschaft der Erlösung (v. 21), sowie auch jede andere sich vorstellbare Gruppierung.

7. Es ist ein Dienst der Unsicherheiten und der Sicherheiten.
Paulus wusste nicht, wie seine Zukunft genau aussehen würde (v. 22), aber er wusste Bedrängnis für ihn und die Gemeinde würde kommen (vv. 23, 29).

8. Ein Dienst des Betens.
"Nachdem er dies gesagt hatte, kniete er nieder und betete mit ihnen allen" (v. 36).

9. Ein Dienst des Vertrauens in unserem allmächtigen Vater.
"Nun, Brüder, übergebe ich euch Gott, und dem Wort seiner Gnade, das die Kraft hat, euch aufzuerbauen und ein Erbteil unter allen Geheiligten zu geben." (v. 32). Wir schaffen sowas nicht. Wir können die Gemeinde Gottes keines Wegs retten. Nur Jesus durch sein Blut kann das (v. 28), und jetzt hütet Er seine Schafe durch Sein Wort, indem seine Unterhirten es predigen.

Mittwoch, 21. September 2016

Der Wässrige Mensch

"Stell dir einen Mensch vor, der aus Wasser besteht. Er lebt in einem grenzenlosen wässrigen Meer. Er will aus dem Wasser aussteigen, so schafft er einen Leiter aus Wasser. Er stellt diesen Leiter auf dem Wasser und versucht aus dem Wasser rauszusteigen. So hilflos und sinnlos müssen wir die Denkweise eines natürlichen Menschen, die ja tatsächlich auf die Annahme gegründet ist, dass Zeit oder Zufall letztendlich herrscht. Laut seiner eigenen Annahme ist seine eigene Vernunft ein Zufallsprodukt Laut seiner eigenen Annahme sind sogar die Gesetze der Vernunft und der Logik, die er verwendet, Zufallsprodukte. Ja, die Rationalität und der Sinn, nach denen er vielleicht sucht, sind zwangsläufig Zufallsprodukte."
—Cornelius Van Til, The Defense of the Faith (P&R, 1972), s. 102
Ht: Justin Taylor 

Vergleiche dazu: 2 Kor 4: 4; Eph 4: 18. 

Montag, 19. September 2016

Linked

Hanniel hat netterweise eine Mitschrift von meiner Predigt über Joh 17 bei Josia gebloggt: Hier

Sehr lesenswert ist übrigens sein Artikel zum Thema, wie man das Gelernte von einer Konferenz für sich bewahren kann. Siehe hier.

Und, wo ich gerade dabei bin, seine Gedanken zum Handygebrauch haben mir sehr geholfen.